Bericht und Bilder zur 9. Huftagung der DHG 2015

In der Barhufszene hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Prägten früher vier Schulen den Markt, so schießen aktuell überall in der Republik neue Hufschulen aus dem Boden. Unter Berufung auf die großen publizierenden Linien betonen alle Bearbeiter die Individualität ihrer Arbeit gemessen am konkreten Pferdehuf. Immer mehr wird es auch Mode, sich aus allen Bearbeitungsmethoden das jeweils beste für den einzelnen Fall herauszusuchen.

Den Verantwortlichen der DHG e.V. erschien es deshalb sinnvoll, eine Selbstdarstellung mit anschließender Diskussion der in der BRD gegenwärtig wichtigen alternativen Bearbeitungsweisen unter der Überschrift „Multikulti-Huf“ zu veranstalten. Dabei ging es nicht um organisatorische Fragen, sondern um eine Darstellung der grundlegenden Auffassungen zum Huf als Grundlage der jeweiligen Bearbeitungsempfehlungen. Der Tagungsmappe ist je ein Poster mit Grundsätzen und Fällen der referierenden Schulen beigelegt.

Thekla Friedrich referierte für die GDHK e.V und damit für eine mehr an den traditionellen Fußungs- und Fesselstandstheorien orientierte Linie. Tina Gottwald sprach für den inzwischen sehr breit gefächerten Sektor der natural hoofcare, der dennoch eine Gemeinsamkeit in verschiedenen Grundauffassungen (Sohle, Behandlung des Tragrands) aufweist. Stephan Stich kam als Vertreter der F-Balance, einer relativ neuen, an Markern am Huf orientierten Bearbeitungsweise. Konstanze Rasch und Nina Hoppe (beide DHG e.V.) teilten sich einen Vortrag zur Huforthopädie. Die an diese Vorträge anschließende Podiumsdebatte der Referenten, welche von einem respektvollen und konstruktiven Umgang miteinander geprägt war, bot Zeit für konkrete Fragestellungen zu Theoriebestandteilen und Fallbeispielen.

Der zweite Teil der Veranstaltung war der Sicht von außen auf die Welt der Barhufbearbeitung gewidmet. Bianka Carstens als praktische Tierärztin schilderte ihre Erfahrungen bezüglich der Zusammenarbeit von Veterinärmedizinern und Hufbearbeitern. Jan Gerd Rhenius (EDHV, Hufbeschlaglehrschmied) und Nikolai Wandruszka (staatl. geprüfter Hufbeschlagschmied) beleuchteten die verschiedenen Bearbeitungsansätze aus analytischer Sicht und zeichneten ein zeitgemäßes Bild der Außenwahrnehmung der multikulturellen Huflandschaft. Der Schlussbericht von Brian Hampson zu seinem Forschungsprojekt über den Einfluss der Bearbeitung auf die Hufmorphologie ging von der Fragestellung aus, ob konträre Auffassungen zum Huf tatsächlich zum gleichen gewünschten Erfolg führen können. Ganz deutlich belegen seine Messungen die negativen Effekte einer zu starken Zehenwandberaspelung auf die gesamte Hufphysik. Der letzte Vortrag war Recht und Politik gewidmet, da nur der vormals gescheiterte Regelungsversuch zur Hufversorgung die aktuelle Entwicklung auf diesem Sektor ermöglicht hat. Gerhard Jampert (DHG e.V.) zeigte die Handlungsalternativen von Legislative und Exekutive aus seiner Sicht auf.

Die spannenden Referate (mit einer Ampelregelung für die Vortragszeit), der rege Austausch während der Abschlussdiskussion und in den Pausen (mit leckerem Catering) machten die 9. Huftagung der DH e.V. in Leipzig zu einer spannenden und kurzweilig Veranstaltung, der weder Hitze, Gewitter und Sturmböen noch anfängliches Technikversagen Abbruch tun konnten.

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