Thema mit vielen Antworten

Strahlbeinzyste

Astrid Arnold
Huforthopäde/-in
Hallo Jiffi,
hallo Angelika,

Das Strahlbein hat eine erheblich große Zyste, wahrscheinlich mit Sehnen Beteiligung. Dazu kommen große Gefäßkanalerweiterungen.
Die Strahlbeinzyste liegt jedoch relativ in der Mitte des Strahlbeines und damit können Pferde erstaunlich gut zurecht kommen. Es ist dort kaum Bewegung wenn es dem Pferd gestattet ist über die ihm angenehme Zehenrichtung abzufussen. Vielleicht gibt es daher so häufig die Beschreibung das es Pferden mit solchen Problemen besser geht wenn die Hufeisen ab sind und sie sich diese Zehenrichtung anlaufen können. Man muss dann aber auch bei der Hufbearbeitung diese Zehenrichtung akzeptieren.
Die Gefäßkanalerweiterungen selbst machen vielen Pferden kein Problem, sie können aber auch ein Hinweis darauf sein, dass es ein Problem mit dem Strahlbein - Hufbeinband und auch mit dem Ansatz der Tiefen Beugesehne geben könnte. In jedem Fall reagieren Pferde dann empfindlich wenn die Trachten gekürzt werden.
Ein kürzen der Trachten erhöht den Zug der Tiefen Beugesehne. Da die Sehne oberhalb des Strahlbeines mit diesem Verbunden ist, erhöht sich auch der Zug auf das Strahlbein selbst sowie auf das untere Strahlbeinband. Es wird also weniger der Druck auf das Strahlbein erhöht, der Druck wir eher etwas verlagert.
Nun ist es so, dass wenn man nicht dagegen wirkt, der Huf in den Trachten höher wird bis zum nächsten Bearbeitungstermin. Das liegt hier schon an der starken Zehenrichtung die sich das Pferd anläuft weil es das für das Hufbein so braucht. Mit der klassischen Hufbearbeitung wird man dann nicht umhinkommen die Trachten immer wieder zu kürzen. Es wäre also hier eine Bearbeitung die den Hornabrieb an den Trachten fördert wesentlich hilfreicher.
Lieben Gruß Astrid Arnold
Jiffy
Hallo Angelika,
hallo Astrid,

danke für die informativen Antworten.
Mein Problem ist aber nun, dass mir leider die Fachkenntnisse fehlen, um beurteilen zu können, ob der Schmied diese Dinge umsetzt oder nicht oder gar, um ihm sagen zu können, wie er was machen soll. Bin auch am überlegen, ob ich, nachdem es wie gesagt bei uns keine Huforthopäden gibt, mal meinen ehemaligen Schmied (Wechsel war damals, weil er aufgrund eines Unfalls länger ausgefallen war) kontaktieren soll und schauen, wie er bearbeiten würde.
Wie würdet ihr die Bearbeitung in Hinblick auf die beschriebenen Punkte (Zehenrichtung, Trachten) beurteilen?
Meint ihr, es liegt hauptsächlich an der Bearbeitung, die Stute wieder lahmfrei zu bekommen oder sollte weiterhin der Tierarzt tätig sein (z. B. mit Entzündungshemmern) oder ist es absehbar, dass man sie vielleicht gar nicht mehr längerfristig lahmfrei bekommt?
Nachdem sie, bevor sie wieder angefangen hat zu lahmen, sehr fühlig war, würde es vielleicht helfen, vorübergehend zur Stoßdämpfung Krankenhufschuhe mit Einlage zu verwenden, um etwas mehr Ruhe reinzubringen?

Nachtrag: Mittlerweile hab ich rausgefunden, dass es bei uns in der Gegend einige NHC Hufbearbeiter gibt. Wobei mir auch da Fachwissen/ Erfahrung fehlen, welche Methode inwiefern wann sinnvoll ist.

Liebe Grüße
Andrea

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.07.2017 um 09:31.]
Angelika Linhard
Huforthopäde/-in
Hallo Andrea,
die Zehenrichtung soll ja lt Empfehlung von Astrid nicht korrigiert werden, den Abrieb an der Stelle braucht sie dann. Um auch die Trachten auf Abrieb zu setzen, muß der Tragrand bis in den Sohlenwinkel rausgearbeitet (geschnitten) werden. So wie es auf dem aktuellen Foto aussieht, ist da ein massives Tragedreieck, das sich nicht abreiben kann, weil es zu dick ist.
Entzündungshemmer sind ja auf Dauer nicht sinnvoll; evtl wären da eher homöopathische Mittel hilfreich (Tierheilpraktiker).
Ggf wäre auch zu überlegen, ob eine Ultraschalluntersuchung Sinn macht, um die Bänder und Sehnen zu beurteilen.
Krankenschuhe sind i.d.R. eher hilfreich, wenn Pferde extrem empfindliche Sohlen haben. Ich denke, bei deiner Stute liegt das Problem aber im palmaren Bereich. Aber: Versuch macht klug ;o)
Bei NHC ist es so, daß das Wandhorn nicht mitträgt sondern das äußere Wandhorn weggeflext wird und die Pferde auf der Sohle laufen. Das funtioniert sicher nur in Ausnahmefällen. Diese Methode stammt aus den USA, wo man sich an Mustangs orientiert hat, die auf felsigen Böden zuhause sind.
Ob sie dauerhaft wieder lahmfrei werden kann, wage ich nicht zu beurteilen.
Vieleicht ist deine Idee mit deinem alten Schmied ganz gut. Und der oder der jetzige versuchen es mal so zu machen, wie Astrid es beschrieben hat. Du kannst dich sicher nur rantasten, was ihr hilft und gut tut.
Liebe Grüße, Angelika

Jiffy
Hallo Angelika,

danke, ich werde weiter schauen, ob jemand das von euch beschriebene umsetzen kann....
Ultraschall wurde am gleichen Tag wie die Röntgenbilder gemacht, da erst auch der Verdacht auf Sehnenschaden bestand. Da war alles unauffällig.
Wie groß schätzt ihr denn den Zusammenhand zwischen falscher Hufbearbeitung/ daraus resultierende Stellungsfehler etc. und Strahlbeinveränderungen ein? Da bei der Stute sicherlich in der Aufzucht einiges falsch gelaufen ist (ich glaube weder, dass sie regelmäßig Mineralfutter bekommen hat, noch, dass auf die Hufe geschaut wurden als Jungpferd und weiß auch nicht, wie viel Bewegung sie hatte)...

Liebe Grüße
Andrea

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 13.07.2017 um 11:06.]
Angelika Linhard
Huforthopäde/-in
Hallo Andrea,
es ist hoffentlich eine gute Chance es zu versuchen!
Dass der Ultraschall unauffällig war, ist doch schon mal gut!
Es ist ja leider öfters so, daß bei Fohlen/Jährlingen - vor allem bei großen Züchtern - nicht auf die Hufe geachtet wird. Stellungsfehler lassen sich nur bis zum Alter von 9 Monaten beheben. Manchmal auch noch kurz drüber, aber im Wesentlichen sind dann alle Strukturen fertig.
Bestimmt sogar spielt der Aufzuchtfaktor eine entscheidende Rolle. Fohlen, die im Winter geboren werden und dann nicht rauskommen oder die nur auf weichen Böden groß werden... das ist fatal für die Gliedmaßen.
Wenn den Knochen dann noch Nährstoffe fehlen sind sie anfälliger. Eine gute Basis ist das A+O - aber leider nicht die Regel.
Ich hoffe, du bekommst gute Hilfe und daß sie bald wieder lahmfrei ist.
Bitte berichte doch gern wieder wie es weiter geht.
Liebe Grüße, Angelika
Jiffy
Hallo Angelika,

ja, ich werde gerne wieder über den weiteren Verlauf berichten.

Bzgl. Fohlen kommen wir noch zu einer letzten Frage - das Fohlen der Stute steht vorne auch leicht zehenweit (bzw. ich hab den Unterschied zwischen zehenweit, bodenweit usw. ehrlich gesagt noch nicht ganz verstanden). Jedenfalls sagt der Schmied da, dass, wenn er das Bein und den Huf in Kombination anschaut, das Bein in sich ziemlich exakt gerade ist, also gar keine Fehlstellung und dass die leicht weite Stellung von oben aus der Schulter kommt, bei Fohlen normal ist und sich die Beine von oben ausgehend nach innen drehen, wenn die Brust breiter wird. Je nachdem, wie der Kleine die Beine hinstellt, sieht es manchmal auch von vorne relativ gerade aus oder halt leicht weit. Stimmst du dem zu, dass das normal ist und sich mit zunehmender Brustbreite gibt?

Tut mir leid, dass gerade immer mehr Fragen auftauchen, aber ich bin einfach durch die Stute momentan etwas verunsichert, was ich glauben soll und was richtig ist. Zumal wir, nachdem mein alter Schmied ausgefallen war, erst ein paar mal wechselnde Schmiede da hatten, bevor wir beim jetzigen gelandet sind, und mir dann eine Zeitlang jeder Schmied erzählt hat, dass das, was der Schmied vorher gemacht hat, richtig schlecht war, das Pferd beim Laufen so Schmerzen haben muss, und sie es deshalb anders machen. Dann kam ein anderer und erzählte mir wieder, wie schlecht und schädlich das vom Vorgänger doch war, mit anderer Begründung....

Liebe Grüße
Andrea

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 14.07.2017 um 12:04.]
Angelika Linhard
Huforthopäde/-in
Hallo Andrea,
bei einer zehenweiten Stellung stehen sowohl die Gliedmaßen nach außen als auch die Hufe. Ich bin leider überfragt, ob sich das mit mehr Brust von selbst gibt und habe Astrid noch mal gebeten, das zu beantworten. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß bei meinem Pferd (gekauft mit 9 Monaten), der von Anfang an hinten zehenweit stand und der Schmied damals sagte, das kriegt er hin... sich das aber niemals gegeben hatte.
Warten wir mal ab, ob Astrid dazu etwas sagen kann.
Lieben Gruß, Angelika