Thema ohne neue Antworten

Spat?

carbine
Ich hatte hier am 27.4.2013 um Rat gefragt, weil mein Spanier eine Sehenscheidenentzündung hatte und der Vet. dringend Beschlag empfahl. Ich liess ihn unbeschlagen und alles kam gut, bis heute keine Probleme. Nun geht er hinten rechts nicht ganz sauber, nach der Beugeprobe meinte der Vet. es sei wahrscheinlich Spat. Das Pferd ist mittlerweile gegen 17jährig. Ich lass ihn noch röntgen, aber nun sind wir in der situation, dass erneut dringend Spat-Beschlag empfohlen wird,vorne normal beschlagen. Das Pferd ist 10 Jahre ohne Eisen.

Was meinen Sie?
Caja Sulzbach
Huforthopäde/-in
Hallo Carbine,
ich kopiere mal Teile eines älteren Textes von mir aus dem Forenarchiv hierher, statt alles neu zu schreiben:

Mein Pferd hat auch Spat und lahmte vor 6 Jahren erstmals offensichtlich deswegen. Mein Haus-TA wollte auch einen speziellen Beschlag nach einem speziellen Schema. Auch der zusätzlich befragte Klinik-TA befürwortete einen -allerdings anders gearteten- Beschlag. Letzterer war immerhin bereit zu einer offenen Diskussion über das Für und Wider und die Möglichkeiten bzw. Grenzen dieser Maßnahme. Fazit unserer Diskussion:

1. Es kommt auf den Fall an! "Spat" heißt ja erstmal nur "schmerzhafte Erkrankung im Bereich des Sprunggelenks" - es gibt sogar sog. Weichteilspat. Man muss genau analysieren, an welcher Stelle aktuell gerade Schmerzen bestehen, damit man eine Maßnahme definieren kann. Und damit fängt die Schwierigkeit oft schon einmal an.

2. Sinn und Zweck einer Stellungsveränderung (unabhängig davon, ob sie per Beschlag oder am Barhuf durchgeführt werden soll), soll sein, dem Pferd einen schmerzreduzierte Bewegung zu ermöglichen, indem der schmerzhafte Bereich entlastet wird - was also nur geht, wenn man weiß, wo es zwickt und diese Tatsache bei der geplanten Manipulation berücksichtigt.

3. Das oben formulierte Ziel ist sehr schwierig zu erreichen, denn die Biomechanik des Pferdes ist kompliziert! Eine Stellungsänderung kann nur durch die Manipulation am Huf versucht werden - zwischen der Hufkapsel und dem Sprunggelenk sind aber mehrere Gelenke, die diese Änderung mittragen müssten (Hufgelenk, Krongelenk, Fesselgelenk). Hier kann und wird jedoch durch deren eigene Beweglichkeit einiges der Änderung verloren gehen bzw. diese Gelenke werden durch die Stellungsveränderung in möglicherweise ungünstiger Weise mitbetroffen. Jede Stellungsänderung bewirkt unweigerlich auch veränderte Zugverhältnisse auf die Sehnen und Bänder (auch den Fesselträgerapparat) der Gliedmaße, die durch den krankheitsbedingt veränderten Bewegungsablauf bereits ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sein und dementsprechend empfindlich reagieren können. Das heißt: Was immer man macht, man tappt ein Stück weit im Dunkeln und weiß nicht vorher, ob die Maßnahme dem Pferd angenehm sein wird.

4. Eine bewusst herbei geführte, aprupte Stellungsänderung sollte, wenn das Ziel der Schmerzreduktion nicht zeitnah(!) erreicht wird, wieder rückgängig gemacht werden können. Das ist natürlich, wenn gekürzt wurde, am Barhuf schwieriger zu realisieren, als einfach einen nicht hilfreichen Beschlag wieder abzunehmen (allerdings nur, sofern hier nicht zusätzlich vorher die Hufkapsel stellungsverändernd manipuliert wurde).

Aus diesen oben erläuterten Gründen habe ich mich damals gegen eine manipulative Behandlung (Stellungsänderung) bei meinem Pferd entschieden und bin im Endeffekt gut damit gefahren. Es hat ihm statt dessen in der akut schmerzhaften Phase geholfen, für 6 Wochen einen extra weichen Kunststoffbeschlag zur Stoßdämpfung zu bekommen - parallel zur medikamentösen Behandlung. Da bei ihm der vordere Bereich des Gelenks schmerzhaft war, wurde der Beschlag nur etwas zurückversetzt angebracht, so dass er leichter abrollen konnte und das Gelenk in der Abstemmphase weniger stark durchstrecken musste (Entlastung für den schmerzenden Bereich des Gelenks). Nach den 6 Wochen kamen die Dinger ab, die Zehe wurde noch eine Weile etwas stärker gekürzt als normal (manche Spatpferde machen das von selbst) und später sind wir wieder zur normalen Bearbeitung zurückgekehrt.

"Normale Bearbeitung" heißt aus huforthopädischer Sicht, den Abrieb und die Druckbelastung der Hufkapsel zu analysieren und zu versuchen, situationsbedingt steuernd einzugreifen. Denn statt dem Pferd eine Stellung aufzuzwingen, die es möglicherweise nicht "mag", kann ein Barhufpferd in gewissem Rahmen durch seinen individuellen Bewegungsablauf selbst die Form seiner Hufe und seine Stellung beeinflussen. Es wird sich also seine bequemste Stellung tendenziell selbst anlaufen, wobei die huforthopädische Arbeit die Aufgabe hat, möglichst zu vermeiden, dass sich dies sich negativ auf die Hufkapsel auswirkt.

Mein Pferd ist übrigens noch jahrelang wirklich sehr gut gelaufen, bis er sich leider das andere Bein schwer verletzt hat.
Ich denke, es waren weniger die Maßnahmen am Huf, als die Medikamente, eine spezielle Nahrungsergänzung, Horizontaltherapie und ein langsames(!), sorgfältiges wieder Antrainieren, was dafür gesorgt hat, dass mein Wallach -sehr zur Überraschung meines TA- wieder fit geworden ist.

Ich hoffe, mit diesen Informationen ein Stück weiterzuhelfen. Schöne Grüße
carbine
Hallo Caja

vielen vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich warte nun also die Untersuchung ab, die ein anderer Vet. als meine "Haustierarzt " machen wird. Es widerstrebt mir einfach , eine Pferd, das seit sechs ( nicht 10, wie ich fälschlicherweise oben schrieb ) Jahren ohne Eisen ist, voll zu beschlagen.Mein vet. schlägt ja auch für vorne Beschlag vor, der das Pferd früher abfussen lasse.
Liebe Grüsse

carbine
carbine
Mittlerweile wurde mein Pferd in der Pferdeklinik untersucht mittels aufsteigender Leitungsanästhesie, Röntgen und Szintigraphie ( kostet ein Vermögen) und jetzt haben wir eine Diagnose: Fesselträgersehne weist eine Verletzung auf und war entzündet, Ursache unbekannt. Das Pferd wurde mit Cortison und Stosswellen behandelt, das Ganze fand Ende November statt. Im Januar 2017 wurde er noch einmal mit Ultraschall untersucht , die Sehne sieht viel besser aus, die Lahmheit ist aber nicht ganz weg , ich soll führen oder Schritt reiten und: beschlagen mit verdickten Ruten, um die Sehne zu entlasten.
Wieder stehe ich vor der Frage, beschlagen oder nicht? Mein "Hausveterinär" meint, er habe schon viele Pferde gebessert erlebt mit dem orthopädischen Hufbeschlag.
Meine Zweifel hängen auch damit zusammen, als mein Pferd den ganzen Tag draussen ist und ein solcher Beschlag auf weichem Boden wohl gar keine Wirkung haben kann. Gibt es jemand, der hiermit Erfahrung hat?

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 21.02.2017 um 16:33.]
Carina Mäusezahl
Huforthopäde/-in
Hallo Carbine,
die Verletzung war, wie Sie schreiben im November, so gesehen sind Sie da noch relativ am Anfang. Fesselträgerverletzungen brauchen ähnlich wie Sehnenverletzungen einfach Zeit. Wie ihr Tierarzt schon sagt, Schritt führen oder reiten ist wichtig, damit sich das verletzte, sich nun regenerierende Gewebe wieder in Längsrichtung ausrichtet und nicht als knäuelartiges Narbengewebe verbleibt. Generell gilt, keine abrupten Tempowechsel, keine engen Wendungen und ein Jahr nicht galoppieren.
Man kann durch kurzfristiges (!) Hochstellen Sehnen- bzw. Fesseltrageapparat entlasten, das kommt aber auf die genaue Lokalisation des Schadens an. Da das barhufige Pferd sich in eine ihm bequeme Stellung begibt, läuft es sich den Huf der erkrankten Gliedmaße ohnehin anders ab. Diese Möglichkeit entfällt mit Beschlag, das hatte Caja weiter oben bereits ausführlich erläutert. Ein weiteres Kriterium ist natürlich das Gewicht eines Eisenbeschlags, der die verletzten Strukturen stärker belastet. Sie haben Recht mit ihren Zweifeln, auf weichem Boden haben sämtliche orthopädische Beschläge nicht die Wirkung wie auf hartem. Da ihr Pferd die letzten Jahre barhuf gut zurecht kam, finde ich, können Sie durchaus auf ihr Bauchgefühl hören.
Was sagt denn ihr Hufbearbeiter?
Ich wünsche Ihnen und ihrem Pferd alles Gute.
carbine
Hallo Carina

vielen dank für die Antwort. Die Geschichte ist eigentlich schon etwas älter. Im Juli bekam unsere Freibergerstute ( wir haben diese zwei Pferde, die es normalerweise sehr gut haben zusammen, der Spanier ist der Ältere und der Chef, was sie total okay findet ) ein Fohlen ( Weideunfall) und wurde plötzlich zur Furie und Dinté, der PRE, ging plötzlich lahm. Der Vet. untersuchte ihn und meinte, der habe einen Schlag ins Knie bekommen, dort reagierte er extrem schmerzempfindlich ( Druckdolenz ), ich solle ihn mal zwei Wochen nur auf der Weide lassen. Es dauerte dann etwas länger, bis er wieder gerade ging, ich liess ihm die Zeit und begann dann langsam wieder mit dem Aufbau.( ca. im September ) Trotzdem lahmte er dann wieder, allerdings etwas weniger stark. Ich liess ihn wieder stehen und versuchte alle zwei Wochen, wie er ging. ( etwas Trab im Rondell) Im Oktober liess ich ihn dann noch einmal untersuchen, im November kam die Behandlung. Vermutlich waren das zwei verschiedene Ereignisse. Der Tierarzt in der Pferdeklink war erstaunt, dass die lange Ruhezeit nicht mehr gebracht hat.

Der Schmied kommt nächste Woche, ich werde ihn fragen.
Liebe Grüsse