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Pferd läuft fühlig nach Cortisongabe

Michaela Jung
Hallo liebes DHG Team, mein Hufpfleger meint ich sollte bei euch mal nachfragen, da er auch keinen Rat weiß und er war bei euch auf einem Seminar und er hatte eine gutes Gefühl bei euch. So nun zu dem Problem. Ich habe einen 23 Jahre alten Araber-Welsh Mix der an Cushing und COB leidet. Er hatte schonmal vor ca 8 Jahren eine Hufrehe, sicher fütterungsbedingt. Er lauft eigentlich sehr gut barhuf. Jetzt ist es so das er zu Ostern einen Schub des COB hatte. Es war leider so schlimm das wir Cortison spritzen mussten. Es war nur eine einmalige Spritze!! Seit ungefährt diesem Zeitraum, so scheint es, ist er fühliger als vorher. Er geht nun noch sehr schlecht über schottrigen Boden. Desweiteren habe ich das Gefühl das er sobald die Hufe nicht mehr perfekt sind, noch fühliger wird. Die Hufe werden alle 4 Wochen von meinem Hufpfleger gemacht und ich selber arbeite nach 2 Wochen auch immer nach. An der Sohle nimmt keiner etwas weg. Dies hatte der Hufortophäde davor getan und das ging gar nicht. Hufe sind wirklich ordendlich gearbeitet und er läuft auch sonst sehr gut. Nur das er nun fühliger ist. Jetzt fragen wir uns halt ob es tatsächlich an der einen Cortisonspritze liegen kann?? Hatte er ev dadurch bedingt einen ganz leichten Reheschub der sonst unbemerkt geblieben ist? Ist dies möglich nach so kurzer Zeit ? Und da es ja mit dem COB nicht besser wird ist halt an zunehmen das wir immer mal wieder Cortison spritzen müssen. Ist bei euch etwas bekann was ev zu der Cortison - Spritze gegeben werden kann, damit diese etwas abgeschwächt wird für den Hufmechanismus? Was Blutverdünnendes oder so? Wenn euch da irgendwas zu bekannt ist, würde ich mich sehr über eine Antwort freuen. Danke
Konstanze Rasch
Huforthopäde/-in
Hallo Frau Jung,
was Sie schreiben, passiert nicht selten. Betroffen sind vor allem Ponys und Kleinpferde, aber auch Großpferde, wenn sie zu Dickleibigkeit tendieren. Ihr Pferd muss gegenwärtig nicht (mehr) dick sein, aber aller Wahrscheinlichkeit nach ist sein Insulinstoffwechsel anfällig.
Wenn die Fühligkeit prompt seit der Injektion auftritt, dann kann man zwar nicht mit letztendlicher, aber doch mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass sein Stoffwechsel auf das Kortison empfindlich reagiert. Kortison kann bereits in geringen Dosen den Insulinstoffwechsel beeinträchtigen. Bei einer einmaligen Injektion ist jedoch von einer hohen Dosis (Depot) auszugehen. Die Fühligkeit, die Sie jetzt beobachten, hat ihre Ursache höchstwahrscheinlich in einer Hyperinsulinämie, ausgelöst durch die Kortisoninjektion. Der Insulinüberschuss führt zu einer Entzündung der Lederhäute, weshalb die Hufe vor allem auf unebenen harten Böden zunächst empfindlicher sind. Das ist noch keine Hufrehe, kann aber jederzeit zu einer solchen führen.

Bei dieser Vorgeschichte (Hufrehe gehabt und jetzt so auf die Injektion reagiert) müssen Sie in jedem Fall vermeiden, dass Ihr Pferd noch einmal gespritzt werden muss. Es gibt hierzu Alternativen.
Was Sie im Moment für Ihr Pferd tun können, ist, vermeiden Sie alles was den Glukosespiegel (und damit die Insulinausschüttung) erhöht. Das bedeutet, im Moment KEIN Gras (Müsli, Kraftfutter, übermäßig Karotten oder Äpfel sind ohnehin tabu). Das einzige Mittel, womit man den Insulinanstieg im Blut etwas drosseln kann, ist Chromhefe. Diese ist teuer und wirkt auch nur kurzzeitig, d.h. sie muss immer unmittelbar vor der Fütterung gegeben werden, wenn das Futter "gefährlich" ist. Ich würde gefährliches Futter (leichtverdauliche Kohlenhydrate) momentan jedoch erst einmal gänzlich meiden, bis die Fühligkeit verebbt. Dann durch tägliche Bewegung den Insulinstoffwechsel wieder normalisieren, dann geht auch wieder Werdegang (wenn das bislang möglich war).
Ich weiß, dass die Heufütterung bei Atemwegserkrankungen Probleme birgt, aber Gras ist momentan tatsächlich gefährlich, wenn die Stoffwechsellage so ist. Entschärfen Sie die Heuproblematik durch wässern oder noch besser durch dämpfen.

mit freundlichen Grüßen
Konstanze Rasch
Michaela Jung
Hallo liebe Frau Rasch,

ich Danke für die
schnelle und ausführliche Antwort.
Zur Fütterung: er bekommt nichts ausser Heu, dieses wird natürlich gewässert und er steht auf Spänen. Sonst bekommt er gar nichts. Durch das Cushing darf er ja auch nichts. Wenn er Mineralien zum Fellwechsel bekommt oder ein Medikament nehmen muss, dann verwende ich zum unterfüttern nur senior Gras. Aber momentan bekommt er halt nur Heu. Es gibt auch keine gängigen Leckerlis. Wenn dann sind es Natusat Kräuterchen Leckerli . Dies ist auch mit denen abgesprochen das er dies haben darf. Aber die bekommt er auch nicht jeden Tag. Er bekommt kein Obst. Nur die Cushingtablette wird in ein Stück Fenchel gepackt damit er sie ißt.
Zu der Cortison Spritze: er wurde nur eine Spritze gegeben. Meine TA gibt bei Ihm Aufgrund der Probleme keine Depo- Spritzen. Aber sie meint halt eig. sollte bei der geringen Menge nichts passieren, bzw. wenn er fast erstickt, bleibt uns nichts übrig. Leider ist das Osterfeuer vom Nachbarstall total zu uns gezogen und daher wieder der Schub.
Tja, dann bleibt ja nur das Wiesenproblem. Ich habe leider nicht die Möglichkeit die Wiese ab zuschaffen. Er geht immer schon auch nach den Rehschub vor Jahren auf die Wiese. Sonst müsste ich ihn in der Paddockbox einsperren. Die Wiesen werden aber immer erst offen gemacht wenn sie aufgeblüht sind. Also bei der Wiese weiß ich wirklich nicht wie ich dies ändern sollte. Nach Ställen bei uns die eine reine Paddockhaltung mit Heu anbieten hab ich schon lange gesucht aber dies gibt es bei uns leider gar nicht. Eher wird es dann noch schlimmer denn meist wird nur Silo angeboten.
zur Chromhefe: Würde es den etwas bringen, wenn ich ihm diese morgens vor der Weide gebe?
Soll ich ihn den jetzt trotzdem über so Wege laufen lassen oder dann doch eher meiden.
Soll ich trotzdem mal Fotos machen von den Hufen? Nicht das uns da was entgeht?
Lg Michaela Jung



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 13.07.2016 um 12:05.]
Stefanie Spies
Huforthopäde/-in
Hallo Frau Jung,

gerne können Sie zusätzlich Bilder der Hufe einstellen.

Herzliche Grüße
Michaela Jung
Hallo, hier also Foto s. Sind schwieriger als erwartet zucmachen.lg
Michaela Jung
Und der Rest.
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Michaela Jung
Und noch welche
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Michaela Jung
Und nochmal die ersten.
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Konstanze Rasch
Huforthopäde/-in
Hallo Frau Jung,
bitte entschuldigen Sie, eigentlich wollte ich Ihnen längst geantwortet haben.
Ich verstehe Sie richtig, er bekommt momentan tags Weide und nachts Heu? Wenn die Fühligkeit nachgelassen hat, können Sie dies auch sicher so weiterhandhabem. Wenn er noch fühlig ist, dann würde ich ein zwei Wochen wirklich pausieren, sprich ihn nicht aufs Gras lassen. Auch das blühende und das abgeblühte Gras gibt seinem Insulinstoffwechsel mehr zu tun als das Heu. Und das im Sommer beständig nachwachsende Gras, welches die Pferde immer zuerst abfressen, sieht man als Pferdebesitzer nicht, weil es bereits im Pferdemagen gelandet ist.
Sicher können Sie auch Chromhefe vor dem Werdegang geben, um das Insulin nicht so hoch schnellen zu lassen, aber sicherer wäre Grasstopp bis die Fühligkeit vorbei ist. (Zudem ist die Chromhefe recht teuer.)

Das ist sehr gut, dass Ihre TÄ darauf achtet und kein Depot spritzt. Leider sind aber auch geringe Mengen schon geeignet, den Hormonstoffwechsel zu beeinflussen. Bei gesunden Pferden passiert meist nichts, zumindest wenn die Gabe einmalig ist, bei Pferden mit bereits vorliegender endokriner Stoffwechselerkrankung ist auch die kleinste Dosis riskant. (Das mit dem Cushing hatte ich bei meiner ersten Antwort tatsächlich übersehen :-(

Ich würde bei einem Notfall aber lieber auf Inhalation umsteigen, also das Kortison nicht spritzen, sondern mit einem Asthmaspray inhalieren lassen. Im Notfall hilft meist schon ein Bronchodilatator, wenn das nicht reicht, kann auch ein Kortisonspray (nachgeschaltet) eingesetzt werden. Der Wirkstoff landet so direkt dort, wo er hingehört und die systemische Wirkung des Kortisons ist so um vieles geringer.
Was Sie sich hierzu anschaffen müssten, ist eine Inhalationsmaske (und bei AirOne zusätzlich noch einen Adapter für das Spray (Aero Spacer)) und natürlich beide Sorten Sprays (aus der Apotheke).
Ich habe Ihnen mal zwei Artikel hierzu angehängt (Vorsicht bei dem Ehrmann Artikel stehen falsche Dosierungsangaben). Bitte fragen Sie Ihre TÄ nach dieser Möglichkeit und bitten Sie sie dabei zu unterstützen, die richtige Dosis für Ihr Pferd festzulegen.

Wegen Ihrer Huffotos melde ich mich noch, da brauche ich etwas mehr Zeit um sie gescheit anzuschauen.

Viele Grüße
Konstanze Rasch

Dateianhang

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Michaela Jung
Hallo,
so leider wird die hufsituation gerade nicht besser. Die schonmal angesprochene fühligkeit ist jedoch weg. Mein pferd hat gerade ein stoffwechselproblem was behandelt wird und mir ist auch klar das sich dies auf den huf auswirkt. Jedoch habe ich gerade das gefühl das auch ein teil an der hufbearbeitung liegt. Aktuelle für mich schon sehr schlechtes symtom scheint der beginn einer hohlenwand. Mein jetztiger bearbeiter äussert sich gerade nicht. Ich denke eine 2 meinung sei in der lage ratsam. Den so möchte ich es nicht lassen. Letzte Bearbeitung war am 17.10 . Er kommt alle 4-5 wochen. Der riss vorne ist seit ca 3-4 bearbeitungsintervallen da nur nun ist schlimmer geworden. Auch ist mir aufgefallen das der betreffenden huf länger war als der andere vordere. Die hab ich jetzt selber gekürzt. Leider finde ich in eurer Liste niemanden in meiner Nähe. Könntet ihr mir ev jemanden nennen, der das ganze mal neutral beurteilt? Mache mir wirklich Sorgen.
Lg Michaela
Dateianhang

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