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Junges Pferd mit Neigung zu Hufgeschwüren durch Mini-Risse

cosmo
Mein 2,5 Jahre alter Halbblut-Wallach (selbst gezogen und immer bei mir in Weide-/ Offenstallhaltung) ist ein Pferd mit multiplen gesundheitlichen Problemen, ein richtiges Montags-Pferd. Unter anderem neigt er zu Magengeschwüren und chronischer Bronchitis. Das haben wir über die Weidesaison gut in den Griff bekommen, nun hat er aber seit dem Sommer immer mehr winzig kleine Haarrisse, meistens vorne in der Hufspitze, die sich meist von der weißen Linie bis unter die Sohle ziehen und dann teilweise auch dünnflüssigen wässrigen Eiter absondern, was vom Schmied als Hufgeschwür bezeichnet wird. Es sieht eigentlich nicht so dramatisch aus, da die Risse wirklich sehr klein sind und in der Wand auch gar nicht zutage treten, aber das Pferd reagiert mit hochgradiger Lahmheit. Diese Problematik hatte er auch vor einem Jahr schon mal, da aber nur am rechten Vorderhuf. Momentan hat er diese Risse in drei Hufen und lahmt rechts hinten. Da wird das Bein nun auch dick.
Meine Frage ist nun, woher diese ständigen Risse kommen und wie man ihnen abhelfen kann. Es ist absolut nicht so, dass die Hufe zu lang, vernachlässigt oder schief sind, da ich schon bei den Fohlen immer auf die Hufe schaue und sie ggf bearbeite. Zwar neigt er eher zu breiten Hufen, aber das versuche ich schon im Griff zu behalten, und die Risse sind ja auch in der Hufspitze. Diese kann ich nun beim besten Willen nicht noch kürzer halten, sonst geht es schon Richtung Bockhuf.
Mein Schmied kann mir hier nicht weiterhelfen, habe ich das Gefühl. Auch die Tierärzte wollen nur Equipalazone geben, was er aufgrund seiner Magengeschwüre nicht haben sollte. Aber weder Schmied noch Tierarzt haben irgendeine Idee zu den Ursachen oder es interessiert sie auch nicht.
Nun habe ich in einem anderen thread schon gelesen, dass bei solchen immer wiederkehrenden Hufrissen eine Störung im Insulin-Stoffwechsel ursächlich sein kann. Das könnte ich mir bei ihm schon vorstellen, da er auch viel zu fett ist. Wie kann man das feststellen?
Dateianhang

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Konstanze Rasch
Huforthopäde/-in
Hallo Cosmo,
nach Ihrer Schilderung gibt es aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten hinsichtlich der Ursachen für diese häufigen "Hufgeschwüre".
Die erste ist in der Tat ein beständiger Insulinüberschuss, der die Hornbildung im Bereich der Blättchenschicht beeinträchtigt. Sollte hier die Ursache liegen, dann würden Sie in den Wintermonaten (= ohne Koppelgang) wahrscheinlich eine Besserung beobachten. (Je nachdem, wie er gefüttert wird, nur Heu oder auch Zusätze?) Im Frühsommer, mit Beginn der Koppelsaison, würden die Probleme sich eher dann wieder mehren.
Abstellen können und sollten Sie dies durch Abspecken - viel Bewegung und reduziertes Futter, vor allem keine leichtverdaulichen Kohlenhydrate. Nur Heu (nicht ad libitum, sondern zugeteilt) und kein Zusatzfutter.

Was Sie auch im Auge haben müssen, ist, dass Hufzehen durchaus auch zu kurz sein können. Das eingestellte Foto stammt vom rechten Hinterhuf? Für einen Hinterhuf wäre die Zehe bedenklich kurz. Evtl. halten Sie, in dem Bemühen keinen Hebel aufkommen zu lassen, die Zehen zu kurz, das bedeutet jedoch Streß für den Hufbeinrand.
Der unruhige Verlauf der Blättchenschicht auf dem Foto zeigt, dass der Hufbeinrand bzw. dessen Lederhäute bereits Veränderungen erfahren haben. Diese können durch frühere "Hufgeschwüre" an dieser Stelle verursacht sein, sie können aber auch eine Folge mechanischen Stresses sein.

Ich würde mir gern auch noch die Lateralansicht dieses Hufes ansehen. Haben Sie hiervon ebenfalls ein Foto, welches Sie einstellen können?

Mit freundlichen Grüßen
Konstanze Rasch
cosmo
Hallo Frau Rasch,
vielen Dank für Ihre Antwort. Sicher haben Sie recht, dass er abspecken muss, und das ist auch auf jeden Fall geplant, aber bei einem Zweijährigen, der nicht gearbeitet werden kann, ist das halt schwierig. Die Weide bzw. das Futter zu rationieren habe ich bisher nicht gewagt, weil er noch im April mit einer schweren Kolik aufgrund seiner Magengeschwüre in der Klinik war, und ich froh war, dass er während der Weidersaison so fressen konnte wie er wollte, damit die Geschwüre abheilen konnten.
Ich habe mittlerweile in Ihrem Buch nachgelesen und da einiges über Mittelrisse, Hufgeschwüre etc. gefunden. Seither glaube ich, dass das Problem nicht unbedingt von der Spitze des Hufes herrührt, sondern von den Seitenwänden. Wie seine Mutter (englisches Vollblut) neigt auch er dazu, dass die Hufe an den Seitenwänden schnell auseinandergehen, was im Buch als "Kotflügel" beschrieben wird. Ich stelle Ihnen dazu auch noch Fotos ein. Die Mutter hat große Probleme mit Rissen in den Seitenwänden, und in dem besagten rechten Hinterhuf vom Sohnemann haben wir außen jetzt auch schon einen Riss.
Vielleicht können Sie mir dazu noch etwas sagen, bzw. wie ich da vorgehen muss, um das einzudämmen.
Das erste Hufgeschwür im rechten Vorderhuf hatte er übrigens letztes Jahr, nachdem ich den Hufschmied gebeten hatte, die Stellung zu korrigieren (Pferd steht zehenweit). Vermutlich hat sich dadurch die Balance geändert.
Dateianhang

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Konstanze Rasch
Huforthopäde/-in
Hallo Cosmo,
ja, das ist sicher schwierig unter diesen Bedingungen, wobei es auch wirklich sehr ungewöhnlich ist, dass ein Zweijähriger, noch dazu mit Magengeschwüren und Vollblutabstammung, zur Dickleibigkeit neigt. Gibt es hierfür aus Ihrer Sicht eine Erklärung? Hat er bspw. jemals Kortison bekommen?

Ich bin mir in diesem Fall wirklich nicht sicher, ob die Risse den Grund für die häufigen Hufgeschwüre abgeben. Allein auf Grundlage der Huffotos beurteilt, sieht das für mich nicht so aus. Auf dem Foto zum Ihrem ersten thread ist es die Blättchenschicht, von der die Risse ausgehen. Hinzu kommt, dass die Zehenwand (für einen Hinterhuf) zu stark ausgedünnt ist. Das reißt dann auch leichter.

Mit Ihrer Sicht auf die Seitenwände haben Sie, denke ich, Recht. Diese neigen dazu, zu schräg zu werden. Das führt dann zu den bestehenden Rissen im Bereich davor (Richtung Zehe). Wenn Sie die Zehenwand dazu noch zu dünn halten, verstärkt sich diese Tendenz der Seitenwände. Besser ist es, die Zehe in ihrer funktionalen Breite zu belassen.
Als kleine Hilfe: Wenn die Zehenwand konvex ist, nach Ihrer Bearbeitung, dann haben Sie zu viel getan. Bzw. wenn sie nicht konkav ist (vor der Bearbeitung), dann sollte sie nicht bearbeitet werden.

Mit freundlichen Grüßen
Konstanze Rasch
cosmo
Hallo Frau Rasch,

dass der Kleine etwas zu dick ist, ist nicht so ungewöhnlich. Alle meine Pferde haben im Sommer etwas zu viel auf den Rippen, auch die, die regelmäßig geritten werden, da sie dann 24h auf riesigen Weiden mit viel Grad stehen und eben den ganzen Tag fressen. Zudem sind nicht alle Vollblüter unbedingt schwerfuttrig. Seine Mutter stammt aus einer irischen Sprinter-Linie und ist ein kompakter, muskulöser Typ. Im Winter wird sich das Problem wieder etwas relativieren, zumal er jetzt auch anlongiert wird.
Was diese kleinen Rissen angeht, so ist da die Schwierigkeit, dass sie unheimlich tief in den Huf hineinreichen, obwohl sie nur haardünn sind. Es ist so gut wie unmöglich, sie komplett herauszuschneiden. Manchmal entwickelt sich daraus dann eben ein Hufgeschwür, worauf er sehr schmerzhaft reagiert.
Ich habe nun ein paar Wochen diese Risse (die er in drei Hufen hat, nur hinten links nicht) mit Rivanol, Jodlösung u.ä. desinfiziert und dann so weit möglich mit Keralit undercover abgedeckt. Ich hoffe dass sich jetzt im Winter nicht noch mehr Bakterien dort ansiedeln, da es natürlich im Offenstall nicht möglich ist, die Hufe sauber und trocken zu halten.
Die Zehe bearbeite ich jetzt erst mal nicht mehr und versuche die Hufe nicht zu breit werden zu lassen. Mal sehen, wie sich das Ganze dann entwickelt ...
Vielen Dank noch einmal für Ihre Hilfe.