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Bitte um Beurteilung und Hilfe in 15517

Baritoese
Liebe DHG Huforthopäden,
möchte mich vorab für den gleich folgenden Roman entschuldigen und gleich meine wichtigste Frage in den Raum stellen, könnte ein Huforthopäde bitte die Bilder beurteilen, ich wüsste so gerne, ob ich was die Hufbearbeitung angeht auf dem richtigen Weg bin. Das Buch von Konstanze Rasch hat mich sehr überzeugt, für mich sind Polsterverbände (mit denen es wegen eines zeitgleichen Hexenschusses Probleme gab) und Blutegel zwei ganz große Meilensteine auf dem Wege der Besserung. Aktuell läuft meine Stute wieder ganz gut, sie stolpert aber manchmal und es klappt nicht mit dem abnehmen, aber das ist eine andere Geschichte...
Hier zunächst ein paar Fakten:
Als Anlage die Röntgenbilder vom 14.6., die Tierärztin spricht von einer Rotation von 10 % und  sagt, dass es nicht von dieser, sondern von einer früheren Rehe kommen muss. Diese Aussage wurde nicht wirklich begründet.
Huffotos sind vom 21.7., 4 Tage nach der letzten Hufbearbeitung

Folgende Blutbilder wurden gemacht:
Am 22.6. großes Pferdeprofil (Leber, Niere) inkl Glukose und Cholesterin und Spurenelemente. Ergebnis: Triglyceride und y-GT leicht erhöht,
Am 29.6. EMS/Cushing Profil nach Fasten - keine Auffälligkeiten, Insulin sehr niedrig, ACTH sehr niedrig, Glukose normal, kein Anzeichen auf EMS oder Cushing.


Hier schreibe ich ein kurzes Reheprotokoll:

Am So 28.5. vormittags starker Verdacht auf Hufrehe, abends absolute Bewegungsverweigerung in typischer Rehestellung.

Mo 29.5. ganz schlimme Schmerzen, Tierärztin macht Aderlass (4 Liter) und gibt keine Schmerzmittel (spricht von einer leichten Rehe). Sie bearbeitet auch die Hufe, kürzt vor allem die Zehe. Ich solle einen Rehebeschlag machen lassen, ich möchte aber dass mein Pferd (weiter) barhuf ist und möchte von meinem Schmied weg.

Di Solmy ist deutlich fitter, bewegt sich aber kaum und unter Schmerzen.

Mi Solmy geht relativ taktklar zum Anbinder für die Hufbearbeitung, ich denke schon wir sind über den Berg. Die neue Hufpflegerin kürzt etwas die Trachten, sagt dass zu viel von der Zehe weggenommen wurde, Solmy läuft leider schlechter vom Anbinder zurück in ihren Minipaddock.

Do ganz schlimme Verschlechterung mit Wegknicken, die nächsten Tage läuft Solmy kaum und zeigt deutlichen Schmerz an der Sohle und es wird auch warm (das war er vorher nicht) und der Huf pulsiert deutlich. Kühlung und (schlecht haltende) Polsterverbände helfen kurzzeitig etwas.

Di 6.6. Erste Blutegelbehandlung, deutliche Verbesserung, leider bricht Solmy einen Tag später (als ich dabei bin zum Glück) auf die Wiese aus und töltet und galoppiert - danach geht es wieder schlechter.

Mi 14.6. Tierärztin kommt und ist nicht zufrieden, sagt dass es sich überhaupt nicht gebessert hat, macht Vorwürfe, weil ich den Rehebeschlag nicht weisungsgemäß habe machen lassen, sie will die Hufe nun eingipsen, was ich verweigere, auch wegen der geplanten Blutegelbehandlung am nächsten Tag. Sie raspelt vor dem Röntgenbild etwas von beiden Zehen weg, was auch wieder zu einer deutlichen Verschlechterung des Gangbildes führt (Rückweg vom Anbinder deutlich schlechter als Hinweg, Solmy stolpert wieder)

Do 15.6. die Engl Krankenhufschuhe treffen ein, passen perfekt UND FÜHREN SOFORT ZU EINER EXTREMEN VERBESSERUNG des Gangbildes.
Am selben Tag wird abends die 2. Blutegelbehandlung durchgeführt, diesmal mit 4 Egeln pro Huf.

Fr 16.6. Solmy bleibt bis mittags wegen der Nachblutung ohne Schuhe und trabt trotzdem ihren Paddock auf und ab - mit Hufschuhen gibt es beim Weideabtrieb der Jungs (ihre Kumpel - zwei Wallache) sogar eine Rodeovorstellung, die zum Glück nicht zu einer Verschlechterung führt. Seitdem immer noch Schmerzempfinden an der Sohle beim Hufeauskratzen, aber sie stapft munter über ihren Paddock und wir machen Bodenarbeit im Schritt.

Do 22.6. Großes Pferdeprofil mit allen Spurenelementen und Leber- und Nierenwerten: Triglyceride und y-GT leicht erhöht, Tierärztin sagt dass käme durch die Diät. Selenwert sehr niedrig und Eosinophile Granulozyten deutlich erhöht, die Ursache soll in der (abklingenden) Hufrehe liegen.

Do 29.6. EMS test nach nächtlichem Fasten ist unauffällig, auch Triglyceride und y-GT nicht mehr erhöht.

Mi 20.6. Solmy beschließt, dass sie ihre Hufschuhe nicht mehr braucht (diese liegen mehrere Meter von ihrer Umzäunung entfernt) und läuft mehr oder weniger unverändert schmerzfrei auf ihrem Matschpaddock, bei der Bodenarbeit (im Schritt) merkt man allerdings, dass sie noch lange nicht in Ordnung ist.

Samstag 1. Juli, die Hufpflegerin ist betroffen von der Verschlechterung und macht nur sehr wenig. Hufschuhe (die wegen des Matsches schlechter halten) werden drauf gemacht und Solmy läuft nach dieser Bearbeitung NICHT schlechter.

Montag 17. Juli, Hufpflegetermin, es wird immer noch nicht richtig viel von der Zehe weggenommen, nächstes Mal soll mehr weggeraspelt werden. Solmy steckt auch diese Behandlung ohne Verschlechterung weg.

Nächster Termin ist erst am 28.8. geplant.
Solmy läuft jetzt auf einem neu angelegten Trail, der leider aufgrund des Wetters und der zerstörten Grasnarbe sehr matschig ist, aber sie kann wieder laufen und entsprechend ihrem Temperament tut sie das auch.

Behandlung:
2 Wochen Propolis D 12.
2 Wochen Hufkräuter No 2 von Krauterie.
Seit Mitte Juli Kräutermischung der Tierheilpraktikerin Nina Jeschke, die auch die Egel gesetzt hat mit u.a. Artischocke, Gingko, Mönchspfeffer
Kein Gras, abgewogenes Heu aus doppeltem 3cm Netz 24 ha, nachts stelle ich die anderen dazu. Seit kurzem gibt es einen Trail.

Theorien wie es dazu kam:
- Mit der Hufbearbeitung liegt die ganzen Jahre über etwas im Argen. Sie hatte 2013 schon Mal eine Belastungsrehe, die falsch diagnostiziert wurde. In dem Jahr hatte sie auch ein Hufgeschwür.
- Solmy hat EMS oder Cushing, obwohl der Test darauf nicht hinweist.
- Von 2010 bis 2015 war sie viel zu dick, sie ist vin meinen 3 Isis diejenige, welche am schnellsten zunimmt und sie hat auch Anzeichen von EMS wie hoher Mähnenkamm.
- Der Paddock ist viel zu groß und bereits vor dem Anweiden wurde zu viel Fruktan aufgenommen.
- Wir machen neben der akademischen Bodenarbeit zu wenig schweißtreibende Arbeit (so wie früher, wo wir endlos galoppiert sind und Tagesritte gemacht haben)
- Auf dem Paddock wächst viel Hahnenfuß.
- Im März April wurde Navalis Selen zugeflüttert (wegen extrem schlechten Wert unter 30 Anfang März) - ich habe mich zwar an die Angaben gehalten, aber außerdem noch ein selenhaltiges Mirafu gefüttert.
- Im Herbst haben die Ponys Unmengen von Eicheln gefressen, sie fressen auch Eichelblätter und Zweige die auf die Wiese fallen.
- Sie wird heimlich von irgendwelchen Anglern gefüttert.
- Das Brunnenwasser enthält zu viel Eisen.


Dateianhang

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Astrid Arnold
Huforthopäde/-in
Hallo,

es können alle von Ihnen aufgeführten Punkte zu einer Hufrehe führen. Wenn es aber so ist, dass Ihr Pferd einen deutlich erhöhten Mähnenkamm hat, dann ist das ein sicherer Hinweis darauf dass der Insulinspiegel immer wieder erhöht ist. Ein hoher Insulinspiegel löst eine Hufrehe aus. Wenn sich da beim Insulintest keine Erhöhung zeigt, so muss man bedenken, dass dies möglicherweise eben nur eine Momentaufnahme ist und nicht unbedingt so dass nicht evtl. trotzdem etwas im Argen liegt.

Ich rate daher in jedem Fall die Fütterung hinsichtlich des Insulinspiegels zu überdenken, möglicherweise die gesamte Fütterung zu überdenken und die Weidezeiten zu begrenzen. Bewegung eignet sich natürlich auch um den Insulinspiegel zu senken.

In einem Punkt stimme ich Ihrer Tierärztin aber auch zu, ich denke auch dass sich die frühere Rehe noch heute an den Hufen zeigt. Es ist auch hier, wie so häufig, anscheinend nicht gelungen die von der Rehe gezeichneten Veränderungen zurückzuführen. Dadurch sind die Hufe in einer schlechten Ausgangslage und stecken erneute Rehe Schübe noch schlechter weg. Da reicht schon eine etwas invasivere Hufbearbeitung aus, z. B. das Kürzen der Trachten, um einen erneuten Reheschub auszulösen. Sie haben ja selbst schon festgestellt das kürzere Trachten Ihr Pferd schlechter laufen ließ.

Ein Hufbearbeitungsabstand bis zum 28.8. erscheint mir viel zu lang. Ihr Pferd kann ja anscheinend jetzt auf weichem Boden recht gut laufen, aber nicht auf hartem Boden. Damit haben die Hufe jetzt kaum Hornabrieb und die Hebel an den Hufen werden sicher mit einem so großen Bearbeitungsabstand zu lang. Bei dieser Situation schätze ich den Bearbeitungsabstand der notwendig ist auf 3 Wochen ein.

Die Hufe zeigen auf den Fotos deutliche Fäulnisprobleme sowohl am Strahl als auch in der gesamten Blättchenschicht. Davon abgesehen dass gerade die Fäulnis in der Blättchenschicht auch zu Hufgeschwüren führen kann, ist eine intakte Blättchenschicht notwendig, damit man die Hufwände in Form bringen und dann auch halten kann.

Lieben Gruß
Astrid Arnold